Bieler Fototage 2017

Von Extremen und Grenzen

Letters from Utopia, 2012
Letters from Utopia, 2012 © Daan Paans. Courtesy LhGWR, The Hague.

Unter dem Oberthema „extrem“ widmen sich die 28 Ausstellungen der diesjährigen Bieler Fototage Themen wie der Bilderflut, Technologieexzessen oder Migrationsbewegungen.

28 Ausstellungen, 22 Premieren, 10 Länder und 3 neue Ausstellungsorte – das sind die Eckwerte der Bieler Fototage 2017, die vom 5. bis 28. Mai Fotobegeisterte nach Biel locken.

„Die Fotografinnen und Fotografen der 21. Ausgabe ergründen die Fotografie der Zukunft, indem sie deren Grenzen austesten“, heisst es in der Vorschau. Dies täten die Ausstellenden sowohl in technischer als auch in thematischer Hinsicht. So seien die Grenzen zugleich Ausdruck der Verwerfungen in der Gesellschaft.

Der Mensch und seine Umwelt

Da geht es zum Beispiel um den Menschen und seine Umwelt. In „The Price of Vanity“ (Schweizer Première) enthüllt Paolo Marchetti, welche Opfer sich hinter den Diktaten des Luxus’ und der Haute Couture verstecken. Er dokumentiert die riesigen Tierintensivzuchten, die für die Gewinnung von Pelz oder Haut unterhalten werden.

Der Deutsche Daniel Hofer zeigt in „Salar“ (Weltpremière) ein Gebiet mit einem der grössten Lithium­vorkommen der Welt, dessen Abbau eine einzigartige und grandiose natürliche Landschaft zerstören würde. Mit „Night Time Tremors“ (Weltpremière) liefert Katrin Streicher ein gespenstisches Portrait einer kleinen schwedischen Stadt, deren Grund durch unaufhörliche Explosionen erschüttert wird, die auf den Eisenerzabbau zurückzuführen sind.

Flüchtlingslager im Immobilienprospekt

Das Thema Migration steht im Fokus von zwei Arbeiten. Maria Kourkouta hat im Video „Idomeni, griechisch-mazedonische Grenze, März 2016“ (Schweizer Première) einen zum Scheitern verurteilten, heimlichen Grenzübertritt dokumentiert.

Das Künstlerduo Defrost Studio wirft mit „ImmoRefugee“ (Weltpremière) einen alternativen Blick auf die Flüchtlingsfrage, indem es behelfsmässige Flüchtlingsunterkünfte des Lagers in Calais in Form eines Immobilienprospekts präsentiert.

Strahlungen, Umnutzungen, Unsterblichkeit

Auch das Medium Fotografie selbst und dessen Materialien werden an ihre Grenzen geführt und sogar instrumentalisiert. Julian Charrière setzt seine Negative in „Polygon“ einer radioaktiven Strahlung aus, während Simon Rimaz den Fotoapparat als Form braucht, in die er flüssiges Blei einlässt („Candela“, Weltpremière).

Weitere Künstler navigieren gemäss der Vorschau zwischen phantasierter Unsterblichkeit („Letters from Utopia“ von Dan Paans, Weltpremière) und theoretischer Unsterblichkeit („Perpetual Operator“ von Dominique Koch), zwischen künstlicher Intelligenz („Seg­men­tation.Network“ von Sebastian Schmieg, Schweizer Première) und dystopischer Zukunft („Faceswap“ von Lauren Huret, Weltpremière).

Installation mit Archiv-Bildern

Die Bieler Fototage haben dieses Jahr ein Originalwerk in Auftrag gegeben. In Zusammenarbeit mit dem CEJARE (Centre jurassien d’archives et de recherches écono­miques) zeigt Ola Lanko mit „Fractured linearities of time“ eine Installation, die Bilder aus dem Archiv der Industriegeschichte des Jurabogens nutzt.

Im Workshop „Image+“ widmen sich Fach- und Berufsleute den Herausforderungen, welche die hybriden Formen der Postfotografie bieten: „Welche neuen herausgeberischen Strategien, welche neuen Plattformen sind denkbar?“, so die Frage. Das Ergebnis dieser Workshops wird am 11. Mai im Rahmen einer Vernissage im Chipot-Gebäude zu sehen sein.

Auch das breite Publikum kann sich mit der Fragen auseinandersetzen: Die Workshops „publish & share“ bieten die Gelegenheit ein persönliches Fanzine zu gestalten. Zu den traditionellen Ereignissen des Festivals zählt der Fotosafari-Wettbewerb. Dieser findet am Sonntag, 7. Mai statt. Preisverleihung ist am 28. Mai.

Drei neue Ausstellungsorte

Für die Ausgabe 2017 nutzen die Bieler Fototage drei neue Ausstellungsorte. Sie sollen Besuchern die Gelegenheit bieten, Bilder in einem neuen Kontext zu erfahren und gleichzeitig Biel im Rahmen eines neu gestalteten Spaziergangs kennenzulernen. Ausstellungen gibt es neu im Farelhaus, im Chipot und in der Working Station.

Weitere Ausstellungsorte sind das Photoforum Pasquart, das Nouveau Musée Bienne Bâtiment Schwab, der Le Grenier, die Gewölbe Galerie und die Schule für Gestaltung. Die Ausstellungen sind von Mittwoch bis Freitag von 12 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

www.bielerfototage.ch

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