Eduard Spelterini

Die Strasse des Luftbild-Pioniers

Der Ballon Spelterinis auf dem Zürcher Kasernenplatz (Baugeschichtliches Archiv Zürich).

Spelterinistrasse heisst die Adresse, an der ich seit einigen Wochen zu Hause bin. Ein kleines Quartier am Stadtrand. Gemütliche Häuschen, grüne Gärten. Und Pioniere der Lüfte als Namensgeber für die Strassen. Denn in der Nähe des Berner Burgfeld-Quartiers auf der kleinen Almend befand sich um 1914 der erste Militärflugplatz der Schweiz.

Eduard Spelterini vor dem Ballon Stella, 1904. Aufnahme an der Station „Eigergletscher“ auf der Kleinen Scheidegg.

Eduard Spelterini hiess eigentlich Eduard Schweizer. Am 2. Juni 1852 im Toggenburgischen Bazenheid geboren, erhielt er 1877 in Paris sein Diplom als Luftschiffer. Fortan nannte er sich Spelterini und zeigte zahlenden Passagieren die Welt von oben. 1887 liess er seinen ersten Ballon nähen. Damit startete er unter anderem in Wien, Zürich, London, Neapel, Bukarest und Kairo.

Ab 1893 wurde der Ballonfahrer auch zum Luftbildpionier. Auf Glasplatten fotografierte Spelterini die Schweizer Städte, Kairo, Kopenhagen und Johannesburg. Vor allem aber auch die Alpen. Begleitet von zwei Wissenschaftlern gelang ihm am 3. Oktober 1898 der erste Überflug der Alpen. Seine Bilder zeigte Spelterini in gegen 600 Vorträgen in ganz Europa. Die Aufnahmen seiner zehn Alpenüberflüge waren ausserdem für Geologie, Kartografie und für den wissenschaftlichen Alpinismus von Bedeutung.

Der Erste Weltkrieg setzte Spelterinis Ballonflügen ein Ende. Das präziser navigierbare Flugzeug verdrängte den Ballon. Spelterini zog sich auf einen kleinen Hof in Oberösterreich zurück, wo er 1931 starb.

In der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek sind rund 140 Spelterini-Bilder aus dem Zeitraum 1893–1924 erhalten. Es handelt sich um Fotoabzüge, Glasnegative und Glasdias. Hochauflösende Bilder stehen auf Wikimedia Commons zur freien Verfügung. Weitere Spelterini-Fotografien befinden sich im Verkehrshaus Luzern und im Baugeschichtlichen Archiv in Zürich.

Die Nationalbibliothek nahm Spelterinis Fotos 2019 zum Anlass, eine Ausstellung zur Geschichte der Luftaufnahmen in der Schweiz zu realisieren. Zuvor zeigten unter anderem das Museum im Bellpark Kriens oder das Zeppelin Museum in Friedrichshafen seine Bilder. Zahlreiche Publikationen gehen auf seine Arbeit ein.

Und die Spelterinistrasse? Sie ist auf einem Luftbild von 1953 zum ersten Mal auszumachen. Unterdessen wurde sie bestimmt von zahlreichen Drohnen überflogen, vom Google-Satelliten erfasst und auf verschiedenste Arten vermessen. Der Blick von oben ist heute faszinierend und muss zu Zeiten Spelterinis noch um einiges verblüffender gewesen sein.

Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann unterstütze 42mm.ch und ermögliche weiterhin unabhängigen Fachjournalismus zur Fotografie in der Schweiz. Ja, ich will...

0 Kommentare zu “Die Strasse des Luftbild-Pioniers

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.