Ausstellung

Cirqu‘

Artistennummer im Freilichtzirkus Arena Pilatus in Luzern, April 1942. © Björn Eric Lindroos

Im Rahmen des Festivals für aktuelle Zirkuskunst «Cirqu’» zeigt das Stadtmuseum Aarau Pressebilder aus dem Ringier Bildarchiv. Die Fotografien geben einen Blick in das Leben berühmter Schweizer Zirkusfamilien vor und hinter den Kulissen von 1930 bis 1980.

Die 40 Pressefotografien zeigen, dass neben den artistischen Höchstleistungen, besonders das Leben der Zirkusleute hinter den Kulissen interessierte. Vom selbsternannten «Nationalzirkus» Knie über die Unternehmung Familie Nock, und Zirkusgesellschaften wie Olympia, Royal oder Stey bis hin zu dem heute kaum mehr bekannten Zirkus Pilatus, dokumentieren die Bilder das Leben der Zirkusfamilien.

Abgelichtet wurden neben den Sensationen in der Manege und Nummern mit exotischen Tieren, auch die speziellen Handrgriffe, die es brauchte, um das bunte Zirkuszelt aufzubauen. Das bewusste, aber nicht immer geglückten Spiel mit dem Risiko, wurde ebenso festgehalten wie intime Einblicke in das alltägliche Leben im Zirkuswagen.

So birgt das Ringier Bildarchiv zum Beispiel Aufnahmen vom Sturz der 18-jährigen Seiltänzerin Isabelle Nock während eines Auftritts an der Landesausstellung oder von einer gebissenen Schlangenbändigerin vor ihrem rollenden Zuhause.

Die Foto-Ausstellung greift spezifische Zirkusthemen der damaligen Zeit auf: So lockten Zirkusdirektor*innen mit fragwürdigen Werbestrategien Publikum ins Zelt. Mit kolonialen Kulturpraktiken wie den sogenannten «Völkerschauen», die bis weit ins 20. Jahrhundert Menschen wie Tiere ausstellten, trugen Zirkusgesellschaften zur Konstruktion und zur Zementierung eines rassistischen Weltbildes bei.

Die gemeinsame Ausstellung von «Cirqu’» und dem Stadtmuseum Aarau schafft Verbindungslinien zwischen der historischen und der heutigen Zirkuspraxis. Im Kontrast zu den Pressefotos bilden zeitgenössische multimediale Installationen ab, wie facettenreich und interdisziplinär Zirkus heute ist: Ein Artist jongliert auf 25 Screens, eine Diabolo-Maschine beginnt auf Knopfdruck zu rattern und ein fragiles Mobile aus Palmblattrispen lässt den Atem anhalten. Internationale Artist* innen geben in Residenzen Einblick in ihre Proben und eine Spielfläche lädt Gross und Klein ein, selbst mit Balanceakten zu experimentieren.