Kunsthaus Glarus

Grönländisches Eis, Glarner Gletscher

Grönland und das Glarnerland stehen im Fokus der Ausstellung «Des Gletschers Kern». Das Kunsthaus Glarus zeigt darin Werke von Fridolin Walcher und Martin Stützle. Die Arbeiten sind während und nach einer interdisziplinären Reise bis zum 81. nördlichen Breitengrad entstanden.

Zusammen mit Klima- und Eisforscher*innen aus der Schweiz sind die beiden Glarner Künstler im Mai 2018 nach Grönland gereist. Eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftler*innen, Wirtschaftsvertreter*innen, Diplomat*innen und die beiden Künstler waren dazu eingeladen, die zwei arktischen Forschungsstationen der Schweiz, Swiss Camp und East GRIP zu besuchen und sich auszutauschen. Sie reisten weiter, weit über die Zivilisationsgrenze zum Humboldt- und zum Petermanngletscher bis zum 81. nördlichen Breitengrad.

Grossformatige Landschaften, abstrakte Details

Aufgrund der vor Ort entstandenen Recherchen und ihren Eindrücken erstellten die beiden Künstler im letzten Jahr eine Serie von Werken, die in der Ausstellung im Kunsthaus Glarus erstmals zu sehe sind.

Fridolin Walcher zeigt eine Serie von grossformatigen Landschaftsfotografien aus Grönland und dem Glarnerland. Panoramen von endlosen Eisflächen und romantisch-dystopischen Eisbergen in der Mitternachtssonnne stehen abstrakt wirkenden Detailansichten von vom Wind gezeichnete Schneeoberflächen und zerfurchten Gletscherzungen des Biferten- und Claridengletschers gegenüber.

Stoffe in der Eiswüste

Martin Stützle legt den Fokus in seinen Radierungen und Monotypien auf die Ästhetik der Formen und ihre wortwörtlichen Bruchstellen. In diesen auf kleinen Skizzen basierenden Darstellungen werden sie abstrahiert und enthüllen die monströsen Eisberge und -decken gleichzeitig als fragile Gebilde.

Den Druckgrafiken gegenüber steht eine Reihe von Fotografien, die Martin Stützles Performances vor Ort zeigen. Ohne Zuschauer und nur für einen kurzen Moment entstanden in dieser Eiswüste Skulpturen aus leichtem Stoff, nur durch den Wind in Form gebracht. Eine neue Installation konzipieren die beiden Künstler gemeinsam für den Seitenlichtsaal.

Das Inuit-Dorf und die Glarner Bauern

Eine skulpturale Anordnung von Raumkörpern lässt an Eisberge denken und versperrt den Durchblick im Raum. Auf diesen Architekturen von Martin Stützle zeigt Fridolin Walcher Fotografien von Menschen und Leben in Kullorsuaq, einem grönländischen Inuit-Dorf, dass zu den am nördlichsten gelegenen Besiedlungen der Welt zählt.

Im Anschluss an die Expedition verbrachten die Künstler dort drei Wochen, um die Arktis auch als alltäglichen Lebensraum kennenzulernen. Eingestreut in diese nordischen Lebenssituationen sind Porträts von Glarner Bauern und Fischern in Südindien.

Die Darstellung des Klimawandels

In seiner Vorschau schreibt das Kunsthaus: «Des Gletschers Kern ist eine Ausstellung zu Klimawandel und Gletscherschwund in der Schweiz und in Grönland. Die Fotografien aus Grönland und der beiden Glarner Gletscher Biferten und Clariden von Fridolin Walcher und die Landschaften von Martin Stützle stellen nicht zuletzt die Frage danach, mit welcher (Bild-)Sprache die deutlichen wissenschaftlichen Fakten «anders» erzählt werden können.»

Des Gletschers Kern, 12. Januar bis 1. März 2020, Kunsthaus Glarus